Nicht ganz fehlerlos

Das uerst ambitionierte Rollenspiel Two Worlds sorgte vor einigen Jahren fr gespaltene Meinungen. Nicht viele haben es durchgehalten. Die hartnckigen Naturen schwrmen jedoch noch heute von einem der komplexesten und tiefgrndigsten Rollenspiele unserer Zeit. Nur an der Technik hat’s gehapert. Der Nachfolger will nun in jeder Hinsicht eine Schippe drauflegen, kann aber nicht alle Schwchen des Vorgngers ausmerzen.

Fnf Jahre sind seit den Ereignissen des ersten Teils ins Land gezogen – Frieden sucht man in der Spielwelt Antaloor dennoch vergeblich. Und auch fr unseren Helden, dessen uere Erscheinung abermals auf penibelste Weise festgelegt werden darf, luft es alles andere als rosig. Der sitzt nmlich im Knast. Gandohar mimt mal wieder den Oberbsewicht und wurde gnadenlos aus dem ersten Teil importiert. Auch unsere Schwester Kyra befindet sich in den Fngen des perfiden Magiers. Dass dessen Plne nichts Gutes verheien, wissen auch verhassten Orks, die uns schlielich in einem spannend inszenierten Spieleinstieg aus den Kerkern befreien. Nur Kyra bleibt wieder einmal zurck und dient somit erneut als Motivationsmotor durch die Haupthandlung. Da htten wir schon etwas mehr Fantasie seitens der Entwickler erwartet.

Im Gegensatz zu seinem Vorgnger, drft ihr in Two Worlds 2 keinen geschlossenen Kontinent mehr bereisen, stattdessen besteht die Spielwelt nun aus mehreren kleinen sowie groen Inseln, die sich euch erst im Verlauf der Handlung erschlieen. Das stellt zwar einen radikalen Bruch zum Open-World-Gefge des Vorgngers dar, ist zugleich aber auch eines der wenigen Zugestndnisse an unbeleckte Rollenspiel-Neulinge. So lotst euch die Handlung sukzessive von einem Schauplatz zum anderen, die Freiheit wird dank weitschweifiger Kulissen zu keiner Zeit in Frage gestellt. Die ersten Spielstunden auf Alsorna dienen beispielsweise als einfhrendes Tutorial, in dem euch anhand diverser Questreihen der Umgang mit dem Kampfsystem sowie der Alchemie nahelegt wird. Die Kehrseite der Medaille: Aufgrund der strikten Anweisungen, was als nchstes zu erledigen ist, wirkt der Auftakt von Two Worlds 2 sehr behbig und zuweilen geknstelt. So hechtet ihr beispielsweise im Minutentakt von einer Zwischensequenz zur nchsten. Erst im Kleinod Bayan, in der staubtrockenen Savanne, angekommen, lockert Two Worlds 2 seinen festen Griff und entlsst euch in seine umfangreiche Welt, die ihr auf Wunsch mittels Teleportsteinen, einem Pferd oder sogar Segelboot erforschen knnt.

Und eines ist sicher: Hinsichtlich der gewaltigen Areale klappt euch die Kinnlade runter. Doch haben die Entwickler ihre epochal weitlufige Inselgruppe auch mit unterhaltsamen Aufgaben gefllt? In der Tat. Denn neben dem roten Faden des Spiels, gilt es massenweise Nebenaufgaben zu erledigen, die nicht nur ntzliche Erfahrungspunkte sowie Belohnungen bescheren, sondern gleichfalls interessante Plots zum jeweiligen Schauplatz erzhlen. So liegt ber dem beschaulichen Drfchen Bayan eine bedrohliche Hungersnot. An jeder Ecke trefft ihr auf bettelnde Bewohner, die ihrer Anfhrerin die Schuld fr diese Misere geben. Das idyllische Tir Geal hingegen wird vom ungebetenen Besuch blutdurstiger Untoten geplagt. Jeder Questgeber hat dabei ein persnliches Anliegen. Einen zurckgelassenen Schatz aus einer verbrannten Huserruine bergen, diverse Kruter aus den Mgen wildgewordener Strauenvgel schneiden und daraus ein Verdauungsmittel brauen, oder die Wogen zwischen zwei Nachbardrfern gltten. Die Nebenaufgaben in Two Worlds 2 gestalten sich mannigfaltig und stellen somit eine angenehme Abwechslung zu den altbekannten Tte x Gegner“-Anweisungen anderer Genrekollegen dar. Dies ist auch bitter ntig, denn der Haupthandlung fehlt es an Antrieb und Sffisanz. Die verkommt hinsichtlich der enormen Freiheit ohnehin zur Nebensache: Nach ber zehn Spielstunden immer noch an Kapitel eins zu sitzen, ist keine Schmach.

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