Schon bevor auch nur ein Ton ihrer Stimme den Weg

Schon bevor auch nur ein Ton ihrer Stimme den Weg in die Plattenlden der Welt findet, sorgt sie fr ein Novum in der Musikgeschichte. So lsst sich die damals Siebzehnjhrige vertraglich versichern, dass sie auf Kosten des Labels (EMI) drei Jahre lang Sprechunterricht erhlt sowie Tanz, Mimik und Komponieren lernt. Man knnte den Eindruck erhalten, dass sie dem einen oder anderen Herrn in der Chefetage den Kopf verdreht htte, aber nichts dergleichen. David Gilmour, Gitarrist von Pink Floyd ist ihr grter Frsprecher und verhilft ihr zu diesem seltsamen Deal, der ihr nebenbei noch alle knstlerischen Freiheiten lsst, die man sich nur vorstellen kann. Zu verdanken hat sie dies aber auch ihrem Freund Ricky Hopper. Der verschickt Demotapes an einige MajorLabels, ohne eine positive Antwort zu erhalten. Erst als er Gilmour die Songs vorspielt, kommt Bewegung in die Sache.

Auf ihren Alben reizt sie smtliche ihr zur Verfgung stehenden technischen Spielereien aus. Im Zusammenspiel mit ihrer Vokalakrobatik trmt sie nicht selten Klangcollagen auf, die klingen wie „eine Kreuzung aus Patti Smith und einem Staubsauger“ (Stereo Review).

Als der Staubsauger dann 1978 sein erstes Album („The Kick Inside“) verffentlicht, scheint dies das Vertrauen des Labels zu rechtfertigen. Mit „Wuthering Heights“ findet sich hier einer ihrer grten Hits wieder, der auch Jahrzehnte nach der Erstverffentlichung nichts von seiner Ausstrahlung verloren hat. Dieses von Exzentrik geprgte Album ist richtungsweisend fr den weiteren Verlauf von Kates Karriere. Manches Verhalten, das sie aus der Masse der Musiker heraus hebt, ist eine konsequente Fortsetzung dieser Attitude. So tourt sie kaum, sie beschrnkt sich lieber auf seltene Auftritte, meist als Gast anderer Musiker. Sie lsst sich von der eigenen Familie managen und versprt keinerlei Zeitdruck bei der Fertigstellung von neuen Alben.

Mit den Verffentlichungen bis 1982 kann sie ein immer greres Publikum erreichen. Songs wie „Babooshka“ prgen sich ins musikalische Gedchtnis einer immer zahlreicher werdenden Fanschar. Da Studioexperimente schon immer eine kostspielige Angelegenheiten waren, baut sie sich deshalb kurzerhand ihr eigenes, in dem sie zusammen mit ihrem Bassisten Del Palmer am Album „Hounds Of Love“ bastelt. „Running Up That Hill“ und „Cloudbusting“ toppen die Charts vieler Lnder. Das Video zu „Cloudbusting“, in dem Donald Sutherland die Rolle eines Wissenschaftlers mimt, wird mit seiner rhrenden Story wegweisend fr zuknftige Clips. Trotz der Unterteilung in zwei unterschiedliche Hlften (die erste Seite enthlt Songs mit Hitpotential, whrend die zweite Seite mit einem Liederzyklus viel experimentierfreudiger ausfllt) schlgt „Hounds Of Love“ die Verkaufszahlen aller vorigen Alben und etabliert Kate Bush als groen Namen im Musikgeschft.

Die Zeit bis zu ihrem nchsten StudioLongplayer berbrckt sie mit Kollaborationen („Don’t Give Up“ mit Peter Gabriel) und einer BestOfSammlung („The Whole Story“). Nach vier Jahren folgt „Sensual World“. Trotz gesunkener Experimentierfreudigkeit, kann Kate Bush hier, wie auch bei dem 1993er Album „The Red Shoes“ berzeugen. Bis ins neue Jahrtausend warten BushBegeisterte dann vergeblich auf eine neue eigene Verffentlichung. Whrend die Fans warten, komponiert sie Soundtracks, singt fr Alan Stivell und Prince, gestaltet Weihnachtskarten, deren Erls Kinder in Kriegsgebieten zugute kommt und bringt Sohnemann Bertie zur Welt. Bei der Verleihung des Preises teilt sie dem entzckten Publikum mit, dass sie tatschlich an einem neuen Album arbeite. Eigentlich htte es schon 2001 erscheinen sollen, aber sie spiele eben lieber mit ihrem Sohn, als sich im Studio herum zu treiben, verrt die Knstlerin. So dauert es noch weitere vier Jahre, bis „Aerial“, ihr erstes Studioalbum nach zwlf Jahren, erscheint.

Nach einer weiteren langen Pause erscheinen im Jahr 2011 gleich zwei Alben: Zunchst prsentiert sie ltere Songs in berarbeiteten Versionen auf „Director’s Cut“. Kurz darauf beglckt sie ihre Anhnger mit einem weiteren, kompromisslosen Studioalbum. „50 Words For Snow“ untermauert Kate Bushs Ruf als eine der grten Exzentrikerinnen im Popgeschft.

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